EÜR · Stand 28. August 2026
Einnahmenüberschussrechnung: wann Excel reicht, wann Software
Die EÜR ist keine Mini-Bilanz. Sie ist eine geordnete Liste: was reinkam, was rausging, was der Gewinn ist. Excel kann das rechnen. Excel kann das nicht zuverlässig archivieren, keine XRechnung lesen und keine Anlage EÜR an ELSTER schicken.
Was die EÜR überhaupt ist
Im Einkommensteuergesetz heißt das Gewinnermittlung nach § 4 Abs. 3 EStG. Kurz: Betriebseinnahmen minus Betriebsausgaben. Es zählt in der Regel das Zufluss- und Abflussprinzip (§ 11 EStG): wann das Geld auf dem Konto war, nicht wann die Rechnung datiert ist. Ausnahmen (etwa regelmäßig wiederkehrende Zahlungen um den Jahreswechsel) lässt du von der Steuerberatung zuordnen, nicht von einem Blog.
Das ist der Unterschied zur Bilanz. Kein Inventar, keine doppelte Buchführung als Pflicht, kein Jahresabschluss nach HGB. GmbH und UG gehören deshalb nicht auf diese Seite. Freiberufler und viele Einzelunternehmer schon – solange sie nicht zur Buchführung verpflichtet sind. Die Schwellen dafür stehen in der Abgabenordnung (§ 141 AO). Aktuelle Euro-Werte prüfst du dort oder mit der Kanzlei, nicht in unserem Marketing.
Seit Jahren reicht keine formlose Zettelliste mehr. Die standardisierte Anlage EÜR geht elektronisch und authentifiziert an das Finanzamt, typischerweise über Mein ELSTER. Das BMF hat die Vordrucke für das Jahr 2025 am 29. August 2025 bekannt gegeben. Den Vordruck für das Kalenderjahr 2026 haben wir am 28. 28. August 2026 auf der BMF-Seite noch nicht gesehen – das Formular erscheint üblicherweise erst im Folgejahr. Quelle und Abgabe: elster.de und die jeweiligen BMF-Schreiben, nicht diese Seite.
Was du der EÜR schuldest, auch ohne Software
Software ändert die Pflicht nicht. Du brauchst:
- alle Betriebseinnahmen, getrennt von Privatem,
- alle Betriebsausgaben mit Beleg,
- eine nachvollziehbare Zuordnung (nicht „irgendwas im Februar“),
- Aufbewahrung, die einer Prüfung standhält – Foto in WhatsApp zählt nicht. GoBD und Belege,
- am Ende Zahlen, die in die Anlage EÜR passen, plus die restliche Steuererklärung.
Die EÜR ist Teil der Einkommensteuererklärung. Fristen stehen in der Abgabenordnung. Wir setzen hier keine konkreten Abgabetage für 2026, weil das Einzelfall und oft Steuerberaterstatus ist. ELSTER und die Kanzlei sind die Quelle.
Wann Excel noch ehrlich reicht
Excel ist ein Rechner. Für eine sehr kleine, übersichtliche EÜR kann das reichen – wenn du die Grenzen kennst und sie einhältst.
Dann ja
Wenig Bewegung, du tippst selbst nach ELSTEREin paar Honorare im Jahr, wenige Ausgaben, ein Geschäftskonto, das du selbst abgleichst. Du überträgst die Summen bewusst nach Mein ELSTER. Die Belege liegen nicht in der Tabelle, sondern in einem Archiv, das du erklären kannst. Dein Steuerberater will keine DATEV-Datei von dir, sondern PDF und eine Liste.
Dann nein
Viele Zeilen, E-Rechnung, BankchaosSobald Lieferanten XML schicken, der Nummernkreis wächst, Bankumsätze und Belege nicht mehr in einer Abendstunde zusammenpassen oder du die UStVA selbst machen willst, wird Excel die teurere Variante – in Zeit und Fehlern.
Was Excel nicht ist: ein GoBD-Archiv. sevdesk schreibt das auf der eigenen GoBD-Seite ausdrücklich. Eine Arbeitsmappe, die du überschreiben kannst, ohne Spur, ist keine Unveränderbarkeit. Der Wechsel von der Tabelle in die Cloud ist ein eigener Job: Wechsel von Excel.
Eine ehrliche Excel-EÜR sieht so aus: eine Spalte Datum, eine Text, eine Einnahme, eine Ausgabe, eine Kategorie, die du später in ELSTER wiedererkennen. Keine versteckten Formeln, keine drei Versionen „final_final2“. Am 2. Januar des Folgejahres frierst du die Datei ein (PDF-Export plus die Datei unverändert behalten) und fängst eine neue an. Das ist Handwerk, kein Produkt.
Wann Lexware Office oder sevdesk der kürzere Weg sind
Cloud-Buchhaltung lohnt sich für die EÜR, wenn mindestens zwei davon zutreffen:
- Du schreibst regelmäßig Ausgangsrechnungen und willst Pflichtangaben und Nummernkreis nicht selbst bauen. Rechnung schreiben als Selbstständige.
- Du musst E-Rechnungen empfangen. Seit 2025 gilt das auch, wenn du selbst nur eine EÜR machst. E-Rechnung.
- Du willst Belege fotografieren und dem Bankumsatz zuordnen, statt im Februar neu zu tippen.
- Du willst die EÜR aus der Software ziehen oder dem Steuerberater einen Login bzw. DATEV-Export geben. Was DATEV-Export heißt.
Wichtig: Der günstige Rechnungstarif macht noch keine EÜR. Bei beiden Herstellern sitzt die Gewinnermittlung eine Stufe höher.
| Job | Lexware Office | sevdesk |
|---|---|---|
| Nur Rechnungen / Angebote | Version M, ca. 12,90 € netto/Monat | Tarif Rechnung oder Free (3 Stück/Monat) |
| EÜR, oft UStVA, Bank, Belege | Version L, ca. 21,90 € | Tarif Buchhaltung (monatlich grob 26 €, bei 12/24 Monaten weniger) |
| Besondere Rechnungen, API | XL, ca. 32,90 € | Buchhaltung Pro (Kostenstellen, API, BWA) |
Preise ca., netto, Stand 28. 28. August 2026. Quellen: lexware.de/preise (S 7,90 / M 12,90 / L 21,90 / XL 32,90, Aktion 50 % für 3 Monate sichtbar) und sevdesk.de/preise (Karten 1/12/24 Monate; auf derselben Seite weicht die Vergleichstabelle bei Rechnung 12,90 vs. Karte 11,90 ab – wir raten die Zahl nicht glatt). Immer Herstellerseite vor dem Abschluss.
Lexware Office L
Wenn Steuerberater und ELSTER-UStVA zählenLaut Versionsvergleich auf der Preisseite: GuV und EÜR-Berichte, USt-Voranmeldung und zusammenfassende Meldung, Banking, Anlagen, Steuerberaterzugang. Version M bleibt Angebote, Rechnungen, Mahnungen, Archiv – keine EÜR. 30 Tage Test, monatlich kündbar laut Anbieter. Preise ehrlich.
Lexware Office ansehen (Anzeige) Offizielle Seitesevdesk Buchhaltung
Wenn du klein startest und später aufstockstEÜR und GuV, UStVA über ELSTER, Bank, Belege, Abschreibungen sitzen im Tarif Buchhaltung, nicht in Rechnung. Free bleibt bei drei Rechnungen bzw. E-Rechnungen. 14 Tage Test, danach Free, keine Kreditkarte laut Anbieter. Preise ehrlich.
sevdesk ansehen (Anzeige, Partnerlink folgt) Offizielle SeiteWelches Paket zum Rest passt, steht im Vergleich nach Job, nicht nach Feature-Liste: Lexware Office vs. sevdesk.
Was die Software nicht für dich übernimmt
Beide Programme können Summen und oft eine vorbereitete EÜR erzeugen. Das ist kein Stempel „fertig fürs Finanzamt“.
- Privat vs. Betrieb. Die App weiß nicht, ob der Tankbeleg die Firmenfahrt war. Du hakt.
- Anlagevermögen. Abschreibungen schlägt die Software vor. Ob die Nutzungsdauer und die Zuordnung stimmen, bleibt deine oder die der Kanzlei.
- Außergewöhnliche Vorgänge. Einlagen, Entnahmen, häusliches Arbeitszimmer, Reisekosten, gemischte Nutzung: nicht raten.
- Umsatzsteuer. Kleinunternehmer ohne UStVA brauchen den teuren Tarif nicht „weil vollständig“. Regelbesteuerte brauchen die Voranmeldung oft genau dort. Software für § 19.
- Die Erklärung selbst. Anlage EÜR plus Einkommensteuer plus ggf. Gewerbe, Umsatzsteuer-Jahreserklärung, Feststellung. Die Cloud ersetzt keine Kanzlei und kein ELSTER-Zertifikat.
Steuerberater oder selbst?
Für die meisten Einzelunternehmer mit EÜR ist ein Steuerberater keine gesetzliche Pflicht. Pflicht ist eine ordnungsgemäße Aufzeichnung und die Abgabe. Selbst machen heißt: du überträgst, du unterschreibst, du haftest für die Zahlen.
Die Kanzlei bleibt der kürzere Weg, wenn du die Zuordnung nicht sicher triffst, wenn du Gründung, Mitarbeiter, Auslandsgeschäfte oder eine Prüfung hast – oder wenn du schlicht Zeit kaufst. Dann reicht oft der Tarif, der Belege und Export sauber hält. Die EÜR macht die Kanzlei. Frag vorher, welches Format sie will, bevor du L oder Buchhaltung kaufst, „weil EÜR draufsteht“.
Beide Hersteller bieten Steuerberaterzugang. Das ist ein Login, kein Automat, der die Kanzlei entlässt.
Ein Arbeitsjahr in sechs Schritten
- Geschäftskonto getrennt. Private Umsätze nicht in dieselbe Suppe.
- Jede Einnahme als Rechnung oder nachvollziehbare Notiz. Jede Ausgabe mit Beleg, zeitnah, unveränderbar.
- Monatlich eine Stunde: Bank zuordnen, offene Posten, fehlende Belege. Nicht im März des Folgejahres.
- UStVA nur, wenn du sie schuldest. Dann den Buchhaltungstarif, nicht Word.
- Zum Jahreswechsel nichts löschen. Neue Periode, alte Daten festschreiben.
- Anlage EÜR in ELSTER oder über die Kanzlei. Software-Export ist Vorlage, kein Absenden ohne Blick.
Häufige Fragen
Reicht eine Tabelle plus ELSTER?
Für sehr wenige Vorgänge: oft ja, wenn Belege woanders sicher liegen und du die Summen selbst überträgst. Sobald E-Rechnungen, viele Belege oder Bankabgleich dazukommen, wird die Tabelle der Engpass. Das ist Organisation, kein Gesetz gegen Excel.
Erzeugt die Software die Anlage EÜR automatisch richtig?
Sie erzeugt eine Auswertung aus dem, was du gebucht hast. Falsche Kategorie, fehlender Beleg, Privatentnahme als Ausgabe: die Anlage übernimmt den Fehler. Deshalb keine Steuerberatung durch den Export-Button.
Brauche ich UStVA und EÜR im selben Tarif?
Bei Lexware Office und sevdesk sitzen beide typischerweise in derselben Buchhaltungsstufe (L bzw. Buchhaltung). Als Kleinunternehmer ohne Voranmeldung zahlst du die Stufe trotzdem, wenn du die EÜR aus der Software willst – oder du bleibst in Excel/ELSTER und nimmst nur ein Rechnungsprogramm.
Welches Programm ist „besser“ für die EÜR?
Keins für alle. Kanzlei in der Lexware- oder DATEV-Welt: oft Lexware Office L. Klein starten, Free zum Ausprobieren: sevdesk, EÜR dann im Tarif Buchhaltung. Testwochen parallel, Steuerberater vorher fragen. Keine Note von uns.
Verdient ihr am Klick?
Noch nicht. Orangenen Buttons sind Platzhalter. Affiliate-Hinweis.
Stand 28. August 2026. Quellen: § 4 Abs. 3 EStG, BMF zur Anlage EÜR 2025 (29.08.2025), elster.de, lexware.de/preise, sevdesk.de/preise. Kein Ersatz für Beratung. Methodik: So vergleichen wir.
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